Wie ein Kamm Windräder leiser macht
Fast alles, was sich in unserer Nähe bewegt, hören wir. Egal ob das ein Deckenventilator ist oder ein rollendes Rad oder eben sich drehende Windräder. Wie Windräder leiser werden, haben sich Techniker:innen von der Natur abgeschaut.
10.2023 - Back to overview
Von der Natur gelernt
Wenn sich Windräder mit etwa zwölf Umdrehungen pro Minute bewegen, sieht das aus der Ferne recht gemächlich aus. Doch je weiter der Punkt am Rotor von der Nabe entfernt ist, umso schneller ist dieser Punkt am Rotor. So wundert es nicht, dass Strömungsgeräusche entstehen.
Wie Rotoren bei gleichbleibender Drehzahl leiser werden, haben sich Techniker:innen von der Natur abgeschaut. Die Lösung sind „Kämme“ bzw. Abrisskantenverzahnungen an den Rotorblättern, die Schallemissionen von Windrädern enorm reduzieren können, und zwar um 2 bis 4 dB. Bei neuen Windkraftwerken sind sie schon Standard; sie können aber auch nachgerüstet werden.
Diese „Trailling Edge Serrations“ (TES), wie sie auch genannt werden, funktionieren wie die Flügel von Vögeln: Sie sorgen dafür, dass die Luftverwirbelungen hinter dem Rotorblatt vermindert werden. Dadurch wird das Windrad leiser und ist auch bei hohem Windaufkommen kaum hörbar.
Auch die Form und Oberfläche der Rotoren können sich positiv auf die Geräuschentwicklung und das Ausmaß der Stromernte auswirken. So werden etwa die Blätter geknickt, die Profile dünner gemacht und spezielle Lackanstriche verwendet.
Mehr ist manchmal weniger
Wie wir das Rauschen der Windräder wahrnehmen, hängt wesentlich von der Windstärke ab – aber nicht nur deshalb, weil eine schnellere Bewegung lauter ist. Wenn die Windstärke gerade reicht, damit sich ein Windrad dreht, könnte es besser wahrgenommen werden, als bei einer schnelleren Bewegung. Das klingt nur solange unlogisch, bis man sich bewusst macht, woran der Wind Schall erzeugen kann, nämlich beispielsweise auch an Bäumen oder Häusern. An diesen rauen Oberflächen entsteht ein solcher Umgebungsschall, dass sich das Rauschen der Windräder wenig oder nicht mehr abhebt.
Schall wird geprüft
Abgesehen von der Technik: Bei jedem Genehmigungsverfahren eines Windparks werden auch die Schallemissionen geprüft. Sollten entsprechende Grenzwerte trotz Mindestabstand nicht eingehalten werden können, müssen die Windräder noch weiter von bebautem Gebiet wegrücken. Damit wir ruhig schlafen können, während sich draußen die Räder weiterdrehen.